Live Stream Deines Lebens - Younow

In den letzten Tagen ist eine Diskussion entfacht, ob das  Video-Live-Streaming Portal Younow.com illegal ist. Anlass hierzu waren zahlreiche Presseberichte, die auf verschiedene Möglichkeiten von Rechtsverletzungen hinweisen. Das Funktionsprinzip des Portals ist einfach: User präsentieren sich vor der Cam, singen, tanzen, performen oder übertragen Live-acts oder was sie gerade erleben. Dabei kann jeder zusehen und im Chat das Geschehen kommentieren oder mitgestalten / moderieren.

Ist die Benutzung von Younow illegal?

Die Antwort hierauf lautet nein; aber die Art der Nutzung kann illegal sein. Es kommt also ganz darauf an, was man vor der Kamera macht, was übertragen wird und was man im Chat schreibt. Das ist aber eigentlich nichts neues. Dieses Problem gab es auch schon bei anderen Cam-Services wie Skype oder Videoportalen wie Youtube.

Was ist nicht erlaubt?

Darum hier ein paar wichtige Verhaltensregeln, um Probleme zu vermeiden:

1. Vorsicht bei Sexualität – hier droht Strafe bis hin zum Gefängnis

  • Keine sexuellen Handlungen öffentlich übertragen. (Es sehen auch viele Minderjährige und die Veröffentlichung sexueller Inhalte ist immer problematisch)
  • Die Veröffentlichung sexueller Handlungen von Minderjährigen ist noch härter unter Strafe gestellt.
  • Auch das Auffordern im Chat zu sexuellen Handlungen oder Geschlechtsteile zu präsentieren von Kindern unter 14 Jahren ist mit Strafe von bis zu 5 Jahren Gefängnis bedroht.

2. Vorsicht bei Musik, Konzerten und Aufführungen

  • Die meisten Songs sind nicht frei verwendbar, sondern deren Rechteinhaber behalten sich vor,  allein darüber entscheiden zu dürfen, wo sie veröffentlicht und übertragen werden oder Lizenzen dafür zu verlangen. Das gilt auch für Konzerte, Aufführungen, Shows. Dieses Problem gab es schon bei der Hintergrundmusik in Youtube Videos oder Konzertmitschnitten. Diese dürfen nicht einfach gesendet werden, sonst drohen teure Abmahnungen oder Forderungen der GEMA für die Nutzung ihres Repertoires.
  • Das gilt auch für Musik, die im Hintergrund spielt, auch im Zimmer, in dem gefilmt wird.

3. Vorsicht bei heimlich gefilmten Übertragungen

  • Heimlich gefilmte Übertragungen von Personen können deren Persönlichkeitsrechte verletzte. Die Folge sind Ansprüche, das zu Unterlassen oder gar Schadensersatz bzw. Schmerzensgeld zu zahlen. Außerdem steht die ungenehmigte Veröffentlichung von Bildern einer Person in vielen Fällen auch unter Strafe, wenn diese es anzeigt.
  • Bei Übertragungen von Aufführungen, Vorlesungen oder Unterricht kann dazu auch das Urheberrecht eine Rolle spiele. Auch hier drohen sehr teure Abmahnungen und Klagen.
  • Neu ist auch die Gefahr, wenn man peinliche Aufnahmen einer Privatparty streamt und so jemandem schadet, ins Gefängnis zu kommen. Wir haben darüber in unserem Artikel „Neues Strafrecht – peinliche Fotos posten kann ins Gefängnis führen“ berichtet.

Gefahr von Mobbing und Persönlichkeitsrechtsverletzung

Die größte Gefahr des Portal besteht jedoch auch daran, selbst zum Opfer von Cybermobbing oder einer Bloßstellung zu werden. Es kann vorkommen, dass die Übertragungen mitgeschnitten werden oder sich peinliche Dinge im Netz verbreiten. Bekannte Youtuber warnen vor den Gefahren:

Man sollte daher sehr bedacht mit der Plattform umgehen und genau überlegen, was man hier sendet. Wenn es doch dazu kommt, dass die gesendeten Inhalte missbraucht werden, kann man sich hiergegen wehren. Sprechen Sie uns an.

Fazit

Die Nutzung von Younow ist an sich nicht illegal. Man sollte jedoch genau darauf achten, was man überträgt und dass man keine Rechte anderer verletzt. Das droht vor allem bei Musik, Aufnahmen anderer Personen, peinlichen Aufnahmen, Nacktheit und Sexualität und vor allem auch unpassenden, beleidigenden oder strafbaren Chat-Kommentaren.

Eigentlich also nichts neues, nur ist es vielen nicht immer bewusst. Immer wenn Sie denken, dass die Übertragung oder der Kommentar jemandem unangenehm sein könnten, müssen die Alarmglocken angehen und Sie sollten auch immer darüber nachdenken, was Sie vielleicht in der Zukunft über den Beitrag von heute denken, da man nie weiß, ob doch jemand etwas aufzeichnet. Anwalt_bei_Younow_Problem

Petja Schrödter
Rechtsanwalt Dipl. jur. Petja Schrödter ist Jurist mit umfassendem technischen Wissen. Er erwarb seine Kenntnisse schon auf einem Spezialgymnasium mit math.-nat.-techn.-inf. Profil. Er studierte International Relations an der TU Dresden. Anschliessend war er mehrere Jahre als selbständiger Webdeveloper und Consultant tätig. Er studierte Rechtswissenschaften mit dem Schwerpunkt Medienrecht und Kommunikationsrecht an der Universität zu Köln und leistete sein Referendariat am LG Köln, unter anderem bei der Abteilung für Computerkriminalität bei der Staatsanwaltschaft Köln, Abteilung für Mietrecht am AG Köln, einer Medienrechtskanzlei und den Rechtsberatern der Luftwaffe ab. Petja Schrödter war mehrere Jahre bei Telefonica o2 Germany tätig und arbeitete bei Huawei und übernahm hier auch Aufgaben als Analyst zur Prozessoptimierung.Der Kölner Anwalt war während seines Studiums Mitarbeiter und am Institut für Medienrecht und Kommunikationsrecht an der Universität zu Köln bei dem er auch promoviert.

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